Kirchengeschichte Marquardt
Wappen-Marquardt-banner
Wappen-Marquardt-banner

- 1313: erste Erwähnung eine Pleban (Pfarrer) Conrad in Skoryn als Mitglied einer Spandauer
 Geistlichen Bruderschaft

- 1180 - 1375: neben einem altwendischen Fischerkiez am Schlänitzseeufer und Ackerkossäten
 siedelten sich deutsche Ritter und Bauern an

- die Kirche stand am Ende der landeinwärts gelegenen Kolonistenstraße, ihr gegenüber stand
 das Pfarrhaus

- 1533 - 1571: Gutsbesitzer und Kirchenpatron Georg v. Wartenberg bringt die Lehre Luthers
 in die Dorfkirche

- 1538 - 1581: Johann Byrkener ist Pfarrer in Marquardt

- 1581 - 1613: Johann Bertram ist Pfarrer in Marquardt

- 1613 - 1649: Adamus Rührmund ist Pfarrer in Marquardt

- 1646: im dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) waren nachweislich Kirche und Pfarrhaus
 abgebrannt

- 1649 - 1673: Matthaeus Müller ist Pfarrer in Marquardt

- 1664: Bau einer neuen Kirche in Fachwerk (wahrscheinlich nur behelfsmäßig aufgebaut)

- 1673 - 1686: Martinus Lehmann ist Pfarrer in Marquardt

- 1686 - 1692: Ludovicus Lüderwaldt ist Pfarrer in Marquardt

- 1692 - 1707: Johannes Niepage ist Pfarrer in Marquardt

- 1704: ist die Kirche bereits wieder in einem schlechten baulichen Zustand

- 1704 - 1708: der königliche Minister Marquard Ludwig v. Printzen war Nachfolger v.
 Wartenbergs; Schorin wurde 1704 nach seinem Vornamen umbenannt in Marquard

- 1708 - 1714: Michael Heise ist Pfarrer in Marquardt

- 1712: die Marquardter Kirche war eine Mutterkirche, die Kirchen in Paaren und Uetz “ein Filial”

- Jan. 1714 - 1740: Johann Andreas Schumann ist Pfarrer in Marquardt

 120 Jahre später machen seine Nachkommen Johann Friedrich Ferdinand und Friedrich Adolph
 den Namen Schumann berühmt: sie gründen in Moabit die bekannte Berliner
 Porzellanmanufaktur F. A. Schumann

- 1733: unter dem Patronat des noch unmündigen Arnold Andreas v. Wyckersloot wird eine
 neue Kirche erbaut

 während des Kirchenneubaus konnten Brautpaare sich im Haus der v. Wyckerloots trauen
 lassen

 die v. Wyckerloots selbst stammten aus den Niederlanden; da sie dem reformierten Glauben
 angehörten, mussten sie zum Empfang des Abendmahls in die Kirche in Nattwerder gehen

- 1740 - 1748: Arnold Gottfried Lange ist Pfarrer in Marquardt

- 1748 - 1763: Christoph Matthaeus Scheffer ist Pfarrer in Marquardt

- 1764 - 1795: Johann Christian Trappiel ist Pfarrer in Marquardt

- 1791: beim großen Dorfbrand brennen das Gutshaus, viele Wohnkaten, die Brauerei und der
 Wirtschaftshof ab; die Kirche blieb unbeschädigt

- 1795 - 1843: Peter Ludwig Ferdinand Stiebritz ist Pfarrer in Marquardt

- 1795: der Kirchturm mit Turmhelm und hölzerner Laterne erhält sein späteres Aussehen unter
 Kirchenpatron Hans Rudolph v. Bischoffwerder, der auch Altar und Kanzel neu gestalten ließ

 Kirchenpatrone mussten zu dieser Zeit für Reparaturkosten oder einen Neubau der Kirche
 selbst aufkommen; das Geld wurde aber später aus einem Teil der jährlichen Einnahmen
 zurückgezahlt, so musste die Gemeinde manchmal über Generationen für Reparaturen
 aufkommen; da die Kirche aber nur sehr geringe Einnahmen aus Kollekte und Verpachtung des
 Pfarrgartens hatte, waren keine weiteren Reparaturen an der Kirche möglich

- 17. 07. 1795: die Taufe des Stammhalters Hans Rudolph Wilhelm Ferdinand v. Bischoffwerder
 in Anwesenheit des Königs Wilhelm II ist ein Höhepunkt für die Kirche Marquardt

- 18. Jh: alle Bauern und Kossäten nördlich der alten Dorfstraße wurden zwecks Anlage eines
 Parks und Erweiterung des Gutsbesitzes umgesiedelt; die Kirche wurde dadurch zum
 Dorfmittelpunkt

- 1843 - 1867: Carl Gustav Eduard Müller ist Pfarrer in Marquardt

- 1843: die Schreibweise des Ortsnamens Marquard ändert sich in den Kirchenbuch-
 eintragungen und allen nachfolgenden Dokumenten zu Marquardt

- 1853 - 1859: Friedrich Wilhelm IV und Königin Elisabeth besuchten Marquardt einige Male; sie
 besuchten das Mädchenwaisenhaus Bethesda, das von Pastor Müller 1853 gegründet worden
 war und 1859 nach Bornim verlegt wurde, und gingen mit v. Bischoffwerder in die Kirche

- 1867 - 1877: Friedrich Reifenrath ist Pfarrer in Marquardt

- 1877 - 1894: Otto Horn ist Pfarrer in Marquardt

- 11. 07. 1883: große Jubelfeier zum 150jährigen Bestehen der Kirche

- 1892: der Geheime Kommerzienrat Dr. Louis Ravené, ein bekannter Stahl-Handelsunternehmer
 aus Berlin, wird Guts- und Schlossbesitzer

- 1893: das königliche Konsistorium macht im Zuge einer Generalkirchenvisitation auf bauliche
 Schäden an der Marquardter Kirche aufmerksam und fordert vom Gemeindekirchenrat in
 kürzeren Abständen Berichte

- 1894 - 1911: Friedrich Wilhelm Emil Reifenrath j. ist Pfarrer in Marquardt

       Kirche um 1865       Kirche um 1895 innen

- 1896: Bausachverständige stellen fest, dass eine geplante Reparatur für 9.300 Mark die
 Grundschäden an der Kirche nicht beseitigen würde; Ravené erklärt sich bereit, eine neue
 Kirche aus eigenen Mitteln zu bauen

- 1900: im November stiftet Ravené zum 125jährigen Bestehen seiner Firma eine neue Kirche

- 04. 09. 1900: in einer Gemeindekirchenratsversammlung mit einigen wahlberechtigten
 Mitgliedern werden Festlegungen zum Abriss und Neubau der Kirche getroffen

 nach einem Schlussgottesdienst wird die Kirche dem Patron zum Abriss übergeben

 auch die neue Kirche soll in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet sein

 die Erbbegräbnisse unter dem Altarraum sollten durch ein gewölbtes Mauerwerk verschlossen
 werden; die Särge sollten dort verbleiben

 die kleinere Gußstahlglocke sollte dem Gustav-Adolf-Verein für bedürftige Gemeinden der
 evangelischen Diaspora übergeben werden

 die größere Bronzeglocke sollte erhalten werden und auch das gut funktionierende Uhrwerk
 sollte wieder verwendet werden

 die Gedenktafel für die Gefallenen von 1813 - 1815 sowie das Epitaph für Frau v. Münchow
 sollten in der neuen Kirche wieder angebracht werden

 die Gottesdienste sollten im geräumigen Schulraum oder im Sommer auch im Parkgelände
 stattfinden

 Ravené bekam als Dank ein Etui mit den im Grundstein der alten Kirche gefundenen Münzen

- 1900/01: Abriss und Neubau der mit Hausschwamm befallenen Kirche; der neogotische
 Backsteinbau wurde von den Architekten Schultz und Adolf Stegmüller entworfen

- 08. 10. 1901: Einweihung der Kirche; dazu wurde eine Prunkbibel mit eigenhändiger Widmung
 der Kaiserin Auguste Victoria v. Preußen überreicht

- 1911 - 1927: Martin Jonathan Schmidt ist Pfarrer in Marquardt

- 1927 - 1962: Carl Friedrich Wilhelm Catenhusen ist Pfarrer für Marquardt

- 1927: seit diesem Jahr besteht die Pfarrstelle nicht mehr im Dorf Marquardt, Pfarrer
 Catenhusen hatte seinen Wohnsitz in Fahrland

- 1935: das Pfarrhaus musste einer Parkerweiterung nach Süden weichen; als Ausgleich erhielt
 die Kirchengemeinde ein langgestrecktes Gebäude an der Dorfstraße

- 1962 - 1968: Pfarrer Jürgen Lorenz ist für die Gemeinde Marquardt zuständig; damit gehörte
 die Gemeinde zunächst Kirchengemeinde Paretz

- 1968 - 1988: Pfarrer Lorenz übernimmt das Pfarramt in Alt-Töplitz; damit gehört auch
 Marquardt zur Kirchengemeinde Töplitz

- 1981: aufgrund umfangreicher Schäden der Schieferdeckung von Turm und Kirchenschiff
 sowie der Rinnen und Fallrohre wurde die Kirche von außen saniert

- 1982: die Kirche wird in der Kreisdenkmalliste verzeichnet

- 1987: das Kircheninnere wird renoviert und die prächtigen Leuchter restauriert

- seit 1989: Pfarrer Hans-Jürgen Viebeg ist Pfarrer für Marquardt

- 1995/96: aufgrund eines spät erkannten Befalls mit Hausschwamm musste der Kirchturm von
 der Gruft bis zur Orgelempore saniert werden, was sehr kostenintensiv war

 Marquart hat eine Patengemeinde in Karlsruhe-Neureuth

 die Kirche wurde als typische Guts- und Patronatskirche erbaut:

- kreuzförmiger Grundriss durch die Kuppelbauten zu beiden Seiten
- der westliche Anbau ist eine von außen zugängliche Patronatsloge
- gegenüber befindet sich das Erbbegräbnis der Familie Ravené
- bleigefasste Buntglasfenster im hohen Chor mit biblischen Motiven
  links: Sämann = Gleichnis vom “vierfachen Acker” (Markus 4,3-9)
  mitte: Christus als guter Hirte = Gleichnis vom “verirrten Schaf” (Lukas 15, 3-7)
  rechts: Schnitter = Gleichnis “die Schnitter sind Engel” (Matthäus 13, 36-42)
- das Kircheninnere ist von einer trapezförmigen Holzdecke überspannt
- in der Mitte hängt ein 42armiger Leuchter aus Messing und Schmiedeeisen
- ergänzt wird er durch vier gleichartige halbrunde Wandleuchter
- auf der Rückseite ist die Empore mit einer Orgel der Firma Dinse-Berlin, die über den
 Turmaufgang zu erreichen ist
- die Kirche hat Denkmalstatus, u.a. weil Teile der Innenausstattung aus der Vorgängerkirche
 übernommen wurden (der Taufstein, das Epitaph, die Gedenktafeln)

 

Informationen und Bilder mit Erlaubnis des Autors entnommen aus dem Buch

Grittner, Dr. W.: Zur Geschichte der Marquardter Kirche. Marquardt, 2001

 

ASQ2 

zurück

 

Home

Aktuelles

Töplitz

Kemnitz

Marquardt

Nattwerder

Phöben

Uetz

Kontakt